Schockierende Ergebnisse der IGLU-Studie 2021

Im Mai 2023 wurden die Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) in Berlin vorgestellt. Deutschland nahm nun zum 5. Mal seit 2001 an der IGLU Studie teil, die den internationalen Stand der Lesekompetenz nach der vierten Klasse ermittelt. Ausschlaggebend ist die Lesekompetenz in der vierten Klasse deshalb, da diese maßgeblich zum weiteren schulischen Erfolg beiträgt. Gerade da schaut es in Deutschland nicht besonders gut aus: Circa ein Viertel der Schüler*innen kann nicht gut genug lesen, um erfolgreich in höheren Klassenstufen zu bestehen. Den Übergang vom „Lesen lernen“ zum „Lesen um zu lernen“ haben sie damit nicht geschafft. Der negative Trend lässt sich teilweise durch die Corona-Pandemie erklären – aber nicht ausschließlich.

Die ganze Studie kann man auf der Seite der TU Dortmund herunterladen:

 

Bereits kurz nach Veröffentlichung teilte der AKJ (Arbeitskreis für Jufendliteratur) das Positionspapier “Lesen fördern – Bildung stärken” mit 9 Forderungen an die Politik.

Wir teilen all diese Forderungen:

  1. Lesekompetenzerwerb ist das A und O
    Der Erwerb einer umfassenden Lesekompetenz hat für alle Kinder oberste Priorität an jeder Grundschule. Schulleitung und Kollegium erhalten bundesweit Unterstützung auf allen (bildungs-)politischen Ebenen.
  2. Durchgängige Leseförderung
    Sie ist die Basis für elternhausunabhängige Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit auch über die gesamte Schullaufbahn hinaus.
  3. Tägliche und fächerübergreifende Leseförderung
    Lautleseverfahren und andere evaluierte Maßnahmen, wie z.B. von der BiSS-Initiative (Bildung durch Sprache und Schrift) dokumentiert, sind fest im Schulalltag verankert.
  4. Raum und Zeit für fächerübergreifendes Lesetraining
    Der Leseförderung stehen 20 Minuten der täglichen Unterrichtszeit zur Verfügung. Die Leseflüssigkeit und -fähigkeit zu trainieren, ist Aufgabe des gesamten Kollegiums, denn jede Unterrichtsstunde ist auch eine Deutschstunde.
  5. Lebendige Lesekultur an jeder Schule
    Jede Schule verfügt über eine Schulbibliothek und/oder eine Kooperation mit einer regionalen Bibliothek und über das notwendige Budget, um Raum für eine lebendige Lesekultur zu schaffen. Das können – in den Schulen selbst oder in Kooperation mit Bibliotheken – Leseoasen, Leseecken oder Leseräume sein.
  6. Geeignete und aktuelle Lesestoffe
    Geeignete und aktuelle Lesestoffe werden durch Expert:innen ausgewählt. Die Politik stellt die dazu notwendigen Budgets zur Verfügung. Alle knapp 16.000 Grundschulen in Deutschland werden mit diesen Lesestoffen ausgestattet und die Schul- und Klassenbibliotheken dadurch sukzessive erweitert.
  7. Dokumentation von
    Fortschritten
    Mittels begleitender Dokumentationen der Maßnahmen werden Fortschritte messbar. Sichtbare und spürbare Erfolge steigern die Lesemotivation und schaffen Klarheit für Kinder, Pädagog:innen und Erziehungsberechtigte.
  8. Professioneller Rahmen für Leseförderung
    Bürgerschaftliches Engagement ist für die Vermittlung von Lesefreude sinnvoll und erwünscht, die Verantwortung für erfolgsorientierte Leseförderung muss aber in der Hand professioneller Kräfte liegen. Dafür beschäftigt jede Kommune eine Fachkraft zur Leseförderung, die als Multipliktor:in alle an der Leseförderung Beteiligten, von der Erzieher:in bis zum Ehrenamtlichen, schult. Angesiedelt ist die Stelle an der Bibliothek
    als einer Schnittstelle mit Kontakten zu allen wichtigen Instanzen der Leseförderung.
  9. Kinder entscheiden mit
    Bei allen Maßnahmen sind die Bedürfnisse der Kinder in geeignetem Maße und durch Partizipationsmöglichkeiten zu berücksichtigen, z.B. bei der Ausgestaltung von Leseräumen oder der Auswahl der Lesestoffe